TSV 1860 München - BSG Chemie Leipzig, Samstag, 13. Januar 2018,

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      TSV 1860 München vs. BSG Chemie Leipzig: Wenn Tradition und Zusammenhalt die Essenz des Ganzen sind

      „Seht, das ist das Werk Eurer Väter. Haltet es in Ehren.“ Der Fußball ist omnipräsent und verdrängt andere Sportarten auf sämtlichen Ebenen. Im Fall des TSV 1860 München wird allerdings sehr schnell klar: Ein Verein - das ist eben nicht nur der Kick mit dem runden Leder auf dem grünen Rasen. Klar, hört man 1860 München, dann denkt man automatisch an den Fußball, an den Investor Hasan Ismaik, an all die Probleme der letzten Jahre, an den Absturz in die Regionalliga Bayern. Beim Blick auf die von den aktiven Fans umgesetzte Choreographie beim Benefizspiel gegen die BSG Chemie Leipzig wird einem schnell wieder bewusst. Mensch ja, was für eine Geschichte hat solch ein Verein! 1860! Allein die Jahreszahl! Und dabei wurde der Verein im Münchner Stadtteil Giesing bereits am 15. Juli 1848 ins Leben gerufen. Er schien in den damaligen unruhigen Zeiten (Nachwehen der Märzrevolution) jedoch einigen Personen ein mächtiger Dorn im Auge gewesen zu sein. Wegen „republikanischer Umtriebe“ wurde der Verein kurzerhand verboten und aufgelöst. Am 17. Mai 1860 wurde ein zweiter Anlauf genommen. Der TSV 1860 München wurde gegründet, als Vereinsfarben wurden Grün und Gold gewählt. Welch edle Farben. Ja, man darf erstaunt sein. Mir als gebürtiger Ost-Berliner war das gar nicht bewusst - bis ich nun die Bilder von der Choreo sah. 1860? Das war für mich immer Weiß-Blau. Aber nun gut - die Leser im Süden Deutschlands dürfen gerne schmunzeln - man lernt niemals aus!
      Die Fußballabteilung wurde am 25. April 1899 gegründet. Demzufolge wurde vier Jahrzehnte lang Vereinsgeschichte ganz ohne Fußball geschrieben. Damals mit klassischen Sportarten wie Kegeln, Ringen, Turnen und Rudern. Der Fußball rollte schließlich öffentlich das erste Mal am 27. Juli 1902, als ein Freundschaftsspiel gegen den 1. Münchner FC 1896 (2:4) ausgerichtet wurde. Das von den Vorfahren geschaffene Werk wurde in Form der sehenswerten Choreo in Erinnerung gerufen. Zu Beginn gab es am Zaun den eingangs zitierten Spruch zu lesen, im Anschluss wurden einzelne gerahmte Bilder präsentiert. Ein altes Logo. Gebäude, die in der Vereinshistorie wichtige Rollen gespielt hatten. Die Sektionen des eingetragene Vereins. Kegeln. Basketball. Behindertensport. Boxen. Im Hintergrund der Tribüne wurden einige Raketen abgeschickt, auf Pyrotechnik auf den Rängen wurde beim Benefizspiel gegen die BSG Chemie Leipzig bewusst verzichtet, schließlich sollte genügend Geld übrig bleiben, damit sich die Kassen für Projekte bei den Sechzgern und das in Planung befindliche Flutlicht in Leipzig-Leutzsch füllen.
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      Und scheiß auf die Ligenzugehörigkeit. Wer gegeneinander spielen und gemeinsam ein Fußballfest feiern möchte - der kann es im anderen Rahmen jederzeit tun. Wie das gehen kann, haben die Chemiker bereits mehrfach gezeigt. Auswärts beim FC Schalke 04 II auf der altehrwürdigen Glückauf-Kampfbahn, daheim gegen die Eisernen aus Berlin-Köpenick, gegen die Freunde von Eintracht Frankfurt und nochmals gegen die Schalker, nun aber auch im AKS. Am 13. Januar stand nun die Sause nach München an. Ein Old-School-Sonderzug wurde organisiert, zu hunderten fuhren die Fans der BSG Chemie gen bayerische Landeshauptstadt. Im Gästeblock wurde wie bereits erwähnt auf leuchtende und rauchende Erzeugnisse verzichtet, stattdessen setzte man auf Luftballons, hochgehaltene Schals und lautstarkem Support. „Flutlicht für Leutzsch“, war auf einem Doppelhalter zu lesen. Und darum ging es ja letztendlich auch. Der AKS muss auch in Zukunft den Kriterien des Verbandes entsprechen, und die Zeit drängt.
      Auf dem Rasen konnte der TSV 1860 München vor insgesamt 5.450 Zuschauern mit 1:0 gewinnen. Den Treffer des Tages erzielte Ugur Türk bereits in der fünften Spielminute. Aber logisch, das Ergebnis war an diesem Abend wahrlich zweitrangig. Das Wichtigste: Es wird ein Rückspiel geben in Leipzig-Leutzsch, und dieses wird voraussichtlich im kommenden Sommer ausgetragen.

      Ganzer Artikel mit Fotos auf Turus.net

      :)
      Halt die BSG in Ehren, daß sie niemals untergeht
      Chemiefanforum.de
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      War echt ein toller Abend. Leider haben wir es nicht früher nach Giesing geschafft und waren erst um viertel nach 5 an der TeLa.
      Meiner Partnerin musste ich erklären, warum das Feuerwerk außerhalb des Stadions gezündet wurde (darauf Sie: "...aber das muss doch sicher trotzdem angemeldet werden?..." ;-) ). Ich finde auch das gemeinsame Stadionheft "Extrablatt" sehr gelungen. Nur leider hat sich im Löwenteil scheinbar ein Druckfehler eingeschlichen. Beim Interview mit den Leipziger Ultras beginnt der letzte Satz auf Seite 11 mit "Wir haben hier so viele Baustellen und wollen Chemie weiter aufbauen und nicht wie Don..." und geht auf Seite 12 weiter mit "...Nische und die wollen wir ausfüllen und vergrößern." Ergibt für mich keinen Sinn...
      Wo Mainstream zum Kult wird, wird Widerstand zur Pflicht!