Wm 2014

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    • 0:4 4:0 2:0 wrote:

      dann ist das mit den Preisen doch eine Übertreibung. Wahrscheinlich treibt es mich einfach wegen der Eventisierung des Fußballs nicht dahin, obwohl ich mein erstes Livespiel Deutschland-Griechenland in Danzig schon recht spannend fand, auch atmosphärisch.

      Ich hab früher in Fortaleza privat gewohnt und dann im Ibis in Praia de Iracema, da ist man dann direkt bei der Musik, aber Ibis dürfte teuer sein während der WM. Bei der Finca bin ich bespannt, wo die genau ist.

      Wir sind einmal von Fortaleza nach Icapui gefahren, April 2000 (kurz nach dem 2:1 gegen den Dreck), im Geländewagen, ca. 300 km, das lässt sich schon machen, ordentliche Schlaglöcher halt nachts, weil du wenig siehst, Geländewagen war ok. Aber du machst mit dem kleinen Mietwagen keine Strecke. Mit dem Bus von Fortaleza nach Juazeiro geht es dann schon mal morgens los und abends um 10 Uhr ist Ankunft (600 km). Außerdem hatte ich einmal einen Mietwagen in Recife. Die Händler versuchen massiv, dich zu verarschen, die Autos sind in einem schlechten Zustand, und wenn du mit dem Mietwagen den Cops in die Hände gerätst, die viel schlimmer sind als hier (sowohl Policia Federal als auch Policia Militar, die sind beide echte Feinde und keine Freunde), kann es eng werden. Ich war damals in Recife froh, einen Brasilianer dabei zu haben. Der hat den Cops mit Leuten gedroht, die er in der Verwaltung von Recife kannte, und dann durften wir nach 1 h sinnlosem Warten weiterfahren. Das sind alles Dinge, die in Brasilien überhaupt keinen Spaß machen. Wenn du in den Fängen der Cops bist, hast du ein echtes Problem, das sind Verbrecher. Fenster zu, wenn sie was von dir wollen, am besten aussteigen, sonst fällt schon mal ein Tütchen mit Cocain durch den Fensterschlitz. In Recife bin ich mal nachts im Taxi fahrend von Cops angehalten worden, die haben den Taxler gefragt, gezogene Pistole in meine Richtung, ob alles in Ordnung sei. Beide antworteten: basst (auf portugiesisch). Anlass der gezogenen Waffe nach Nebenherfahrt der Cops über mehrere Kilometer. Weil ich hinten rechts saß und nicht vorne, und die Hände unten, glaubten sie dass ich den Taxifahrer entführe.

      So Geschichten halt.

      Januar geht nicht, Februar gerne

      PS. und in Salvador hab ich mich 2 x überhaupt nicht wohl gefühlt. Ganz nett die Strände, ganz heruntergekommen der Pelourinho, und in einer 60 % schwarzen Stadt speziell im Pelourinho herrschte für meine Wahrnehmung eine ganz eignartige Feindlichkeit gegenüber weißen Touristen. Als am Freitag der Scholli seinen Scheiß von ganz tolle Leute ganz friendlich, also all dieses Gesülze abgelassen hat, dachte ich nur, dass er wohl eine andere Stadt bereist hat. Alles Platitüden. Insgesamt ist es tagsüber auch in Salvador schon ok, wie in allen brasilianischen Städten. Bloß ich habe das groß angekündigte Salvador (Wiege Brasiliens, Musikkultur) einfach nicht gemocht.

      du schreibst : Salvador Fortaleza Recife. Sind die spiele in dieser Reihenfolge? Dann hättet ihr ja eine Strecke Salvdaor Fortaleza im Programm. Das macht kein vernünftiger Brasilianer mit etwas Geld in der Tasche mit Auto oder Bus.


      Kann ich auf jedenfall Vieles unterschreiben, ist zwar ein schönes Fleckchen mit hübschen Mädls, aber saugefährlich.
      Ist zwar bei mir schon über 20 Jahre her, als ich 2x in Rio war, aber die Kriminalität hat dort sicher nicht abgenommen seither.
      Alte Klamotten, kein Schmuck/Uhr u. kein Foto war damals eh schon klar, trotzdem wurden wir abends in einer Seitenstrasse
      der Copa von Jugendlichen, schätze 14-18jährigen überfallen. Mein Kumpel hatte sich zu chick gemacht abends (weisses Hemd)
      obwohl ich ihn gewarnt hatte, u. etwa 4-5 Meter hinter ihm ging, hatten sie uns schnell als Opfer auserkoren.
      Da ich es geahnt hatte, nahm ich nur einen kleineren Betrag mit, den ich ihnen gab als ich eine Knarre an den Kopf gehalten bekam.
      Mein Kumpel hatte sein ganzes Geld dabei u. wurde alles los. Wenn man gar nichts hat o. gibt, knallen sie einen wahrscheinl. aus Wut ab.

      Bei der ersten Rio Reise, ist ein anderer Freund v. mir vor der Kult Disco "Help" an der Copa, abends von Typen angequatscht
      worden, die ihm etwas gaben - Stoff, u. schwupps waren auch gleich Bullen da, eine abgekarterte Sache, hat ihn ein hübsches Sümmchen gekostet,
      damals waren es glaub noch Cruzeiros, da gabs noch keinen real. Die Bullen dort sind so korrupt.
      Ein Risiko bin ich damals auch eingegangen, als ich mich in den Bus setzte u. in Stadtrandnähe ein Fussballspiel nahe den Favelas ansah,
      dort wollten die Typen aber nur das ich ihnen den Eintritt zahle, war damals nicht viel, u. eine Transe hat mich im Bus angemacht.
      Nichtsdestotrotz wärs wieder mal geil dort zu sein, es reizt mich trotzdem noch.
    • also du warst 1993 da. das waren dann doch noch andere Zeiten. ganz Brasllien hat sich mächtig weiterentwickelt, das dürfte ja niemandem verborgen geblieben sein, ich glaube 30 % mehr sogenannter Mittelstand also vor 10 Jahren sind as Ergebnis des boomenden Brasiliens mit einer steigenden Binnennachfrage an Konsumgütern. Und das allein führt zu weniger Kriminalität. Aber sie ist noch da, gar keine Frage. Ipanema, Copacabana tagsüber kein Problem, abends in der Gruppe heute m. E. kein Problem da wo es hell genug und belebt genug ist. Ich hatte nie ein Problem, wobei ich teilweise wirklich verrückt gefährliche Sachen abends und nachts gemacht habe, aber es ging immer gut.

      Klar, bei Übefall muss man die Kohle rausrücken, auch wenn man glaubt, Kids vor sich zu haben. auch Kids tragen Waffen, Messer, Pistolen, und die ganz kleinen laufen ganz gerne in der Gruppe mit Rasierklingen herum. Auch nicht angenehm. Bei Überfall aber alles rausrücken und am besten genug dabei haben (alter "Trick"). Wenn man nichts hat, können sie schon sauer werden, und man darf nicht vergessen, dass viele Diebe unter Drogen stehen, was sie gefährlich macht. Die Gegend um Arcos da Lapa wird auch Cracklandia genannt, das sagt wohl genug. Ich möchte dennoch sagen, das Brasilien extrem viel sicherer geworden ist, auch wenn gerade wieder Touris am Strand überfallen worden sind, und zwar so, dass es Schlagzeilen machte. Ich denke die Cops werden während der WM überpräsent sein, aber auch dann kann es schwierige Momente geben.

      Ein ganz anderes Thema ist da noch Fortaleza. Hat sich von 1998 bis 2013 extrem weiter entwickelt, und liegt dennoch immer noch im absoluten Armutsgebiet Brasiliens. Fortaleza ist in Bezug auf Kriminalität nicht einfach und darf nicht unterschätzt werden. Aber dazu mal mehr kurz vor der WM, wenn es noch jemanden interessieren sollte.
    • doch noch was zu Fortaleza:

      wenn man vom Zentrum Richtung Castelao (WM-Stadion) fährt, kommt man durch den Parque Coco, großer Naturpark in der Stadt, und biegt an dessen Ende nach links ab auf eine der großen Durchgangsstraßen, die dann zum Flughafen Pinto Martins führt, dann danach irgendwann der Castelao. Die Kreuzung ist jetzt voll videoüberwacht, weil sie die Überfälle auf haltende Autos da nicht in den Griff gekriegt haben. Mit der Vollüberwachung ist es ok (O-Ton jetzt im Februar, als ich das WM-Stadion besichtigt habe).

      Fortaleza wie alle anderen Großstädte auch, man hält nachts nicht an einer roten Ampel, zu gefährlich. Allein wegen so was hätte ich keinen Bock mehr auf Mietwagen. Mit Einheimischen wiederum ist es relativ ungefährlich, die kennen halt die nächtliche Situation.

      Zu Fortaleza fallen mir leider sehr direkt sehr viel Geschichten von nächtlicher Gewalt ein.

      Geil ist allerdings der Anflug bei Nacht: die Stadt hat ja 2,5 Mio Einwohler, abgesehen vom Zentrum bei Beira Mar, Aldeota und noch wenigen anderen Bezrien fast nur zweigeschossige Häuser. Eine riesige Flächenstadt wie Los Angeles. Man fliegt an und fliegt immer noch bei hoher Geschwindigkeit spürbar lang über eine beleuchtete Stadt. Auf dem Boden bedeutet das: weite Strecken.

      und da gibt es dann noch die Geschichte vom PV, die Geschichte vom alten Stadion Das PV also meine Freunde dort sind Anhänger von Ceara (schwarz-weiß), und sie gehen ganz gerne ins Castelao am Stadtrand, aber irgendwie hängt das Herz immer noch am alten PV, sagen alle, auch wenn da die Akustik nicht so gut ist, weil es nicht überdacht ist. Aber das Herz hängt halt doch noch dran. War leider verschlossen, als wir da hingefahren sind. Aber irgendwie kam mir die Geschichte bekannt vor.

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    • 1988 und 1991 sind aus einer anderen Zeit. so schlimm ist es heute nicht mehr. Auch so Morde wie 1993 durch die Todesschwadrone vor der Candelaria Kirche gibt es kaum noch, jedenfalls kenne ich keine Berichte darüber (es hat sich aber dennoch nur wenig geändert, wenn man an ermordete Umweltaktivisten im Regenwald denkt, die keinen Schutz durch staatliche Stellen haben und deren Ermordung auch nicht aufgeklärt wird, weil niemand ein Interesse an der Aufklärung hat).

      Zu der Zeit um 1993 und deren Folgen hier ein Bericht von 2000, ein bedrückendes Dokument der Zustände noch in 2000 Ermordung von Zeugen der Candelaria-Morde. Ich behaupte einmal, dass sich an dieser nur durch Korruption und Schulterschluss zwischen den Reichen und den Mächtigen möglichen Situation bis heute nichts geändert hat.

      Wenn man in Brasilien unterwegs ist, muss man alles dafür tun, nichts mit den Polizeiverbrechern zu tun zu bekommen.
    • ich find's echt hart, wie offensichtlich diese skandalösen Vergaben über die Bühne gegangen sind! Und das nicht nur einmal - und beim nächsten mal is wieder seriös, sondern einfach mal ALLE nächsten Sport-Großveranstaltungen!

      Und dann gibt's in den Ländern milliardenschwere Bau-Stellen für die Großkonzerne, die Arbeiter werden schön ausgebeutet, das güldene Turnier (oder Olympia) zieht vorbei und es bleiben die Schulden für die Steuerzahler! Und ein neuer erschloßener Markt für adidas.
      (nebenbei aus fußball-kultureller sicht werden bei den WM's auch noch die schönen Traditionsspielstätten in den Ländern durch den üblichen Arena-Einheitsbrei ersetzt)

      Wie man sich dann dafür noch begeistern und hinfahren kann erschließt sich mir nicht! (Freilich werd ich mir auch Sotschi im Fernseher anschauen, wobei ich so werbe-resistent bin, dass sie mit mir sicher keinen Umsatz machen werden!)

      Der Hollande bspw. hat ja schon zugegeben, dass er empfohlen hat, Frankreich möge doch für Katar stimmen, weil Katar dann bombig in Frankreich (bzw. den französischen Fußball) investiert!
    • Da Hast Recht. Die nächste Handball WM ist ja z.b. auch in Katar usw. So offensichtlich Korruption und Ausbeutung von Arbeitern und trotzdem wird es so weiter gehen. Ein Blatter weiß schon warum er nicht zu dieser Menschenrechtsanhörung fährt.